Frizz-Haare: Woher Frizz kommt und was dagegen hilft
Frizz-Haare entstehen, wenn die Haare ungleichmässig Wasser aus der Luft aufnehmen und nicht mehr glatt aneinanderliegen. Trockenes, raues oder strapaziertes Haar neigt am meisten zu Frizz. Dagegen hilft: sanft waschen, jedes Mal eine Spülung verwenden, ein Öl oder Serum ohne Ausspülen ins feuchte Haar geben und beim Trocknen weniger rubbeln und weniger Hitze einsetzen.
Warum sind meine Haare frizzig?
Jedes Haar hat eine äussere Schicht aus überlappenden Schuppen, ähnlich wie Ziegel auf einem Dach. Darauf liegt eine dünne, natürliche Fettschicht, die Wasser abweist. Trotzdem dringt Wasser ein. Es löst die Bindungen, die einem Haar seine Form geben, die sogenannten Wasserstoffbrücken. Genau so bringt auch das Föhnen dein Haar in Form. Eine Übersichtsarbeit über Haarkosmetik im International Journal of Trichology (Gavazzoni Dias, 2015) beschreibt beide Schichten und was sie abnutzt.
Frizz entsteht, wenn die Haare ungleichmässig Wasser aufnehmen. Haare, die mehr aufnehmen, verändern ihre Form mehr und liegen nicht mehr flach bei den anderen. Folgendes macht das wahrscheinlicher:
- Eine abgenutzte Haaroberfläche. Grobes Waschen, Hitze, Sonne, Reibung und Färben tragen die Fettschicht ab, und die Oberfläche beginnt, Wasser anzuziehen. Dieselbe Übersichtsarbeit nennt geschädigtes Haar «stark» porös.
- Luftfeuchtigkeit. Regen, Nebel, Meeresluft und ein dampfiges Badezimmer drücken Wasser ins Haar.
- Statische Aufladung. Trockene Winterluft und manche Shampoos laden das Haar elektrisch auf, sodass sich die Haare gegenseitig abstossen.
- Wellen und Locken. Durch ihre Form liegen die Haare nicht flach aneinander, deshalb fällt Frizz mehr auf.
- Reibung. Handtücher, Kissen, Schals, das Bürsten trockener Locken und deine eigenen Hände rauen die Haaroberfläche auf.
Frizz und Trockenheit kommen meist zusammen, weil dieselbe Abnutzung beides verursacht. Wenn sich dein Haar auch rau anfühlt und stumpf aussieht, lies, woher trockene Haare kommen und was dagegen hilft.
Warum macht feuchte Luft die Haare frizzig?
Haar nimmt Wasser aus der Luft auf, die es umgibt. Zahlen aus einem Standardlehrbuch der Haarchemie, erklärt von der Chemikerin Michelle Wong, zeigen: Bei 70 % Luftfeuchtigkeit hält Haar mehr als doppelt so viel Wasser wie bei 30 %. Während dieses Wasser eindringt, lockert es die Bindungen, die das Föhnen gesetzt hat. Das Haar kehrt zu seiner natürlichen Form zurück, nur weniger gleichmässig. Deshalb kann Haar, das am Morgen glatt ist, an einem feuchten Tag bis zum Mittag flaumig und kraus werden.
Die Luft kannst du nicht von deinem Haar fernhalten, aber du kannst bremsen, wie schnell es Wasser aufnimmt:
- Gib vor dem Trocknen ein Öl, ein Serum oder eine Creme ohne Ausspülen ins feuchte Haar. Öle und Silikone hinterlassen eine dünne, wasserabweisende Schicht auf der Oberfläche.
- Trockne dein Haar vollständig. Haar, das halb feucht aus dem Haus geht, verändert den ganzen Tag lang seine Form.
- Fass dein Haar möglichst nicht an. Jede Berührung bringt die Haare durcheinander.
- Trag das Haar an sehr feuchten Tagen hochgesteckt oder in einem lockeren Zopf, damit die Haare zusammenbleiben.
Hat die Porosität der Haare etwas mit Frizz zu tun?
Sie spielt eine Rolle. Porosität beschreibt, wie leicht Wasser ins Haar hinein- und wieder herausgelangt. Jedes Haar nimmt Wasser auf, aber blondiertes, gefärbtes und oft mit Hitze gestyltes Haar nimmt es leichter auf, deshalb wird es an feuchten Tagen frizziger. Der bekannte Test, bei dem man ein Haar in ein Glas Wasser legt, ist allerdings nicht zuverlässig. Die Chemikerin Michelle Wong erklärt, warum der Test nicht funktioniert: Ob ein Haar schwimmt, hängt vor allem von seiner Oberfläche und von Öl- oder Produktresten darauf ab. Besser orientierst du dich daran, was dein Haar schon hinter sich hat: Wenn es blondiert, gefärbt oder oft mit Hitze gestylt wurde, behandle es als porös.
Warum sind die Haare nach dem Waschen frizzig?
Shampoo wäscht das Fett aus dem Haar und kann es negativ elektrisch aufladen. Eine Studie von 2014 mass den pH-Wert von 123 Shampoos, die in Brasilien verkauft werden, und 62 % davon lagen über pH 5,5. Die Autoren, Gavazzoni Dias und Kollegen im International Journal of Trichology, folgerten, dass ein höherer pH-Wert diese negative Ladung erhöhen kann. Das bedeutet mehr Reibung zwischen den Haaren und mehr Frizz.
Auf den meisten Etiketten steht kein pH-Wert, deshalb ist die praktische Antwort die Spülung. Dieselben Autoren empfehlen nach einem Shampoo mit höherem pH-Wert eine Spülung, weil sie die Ladung ausgleicht und zugleich das Haar glättet. Die American Academy of Dermatology (AAD), die amerikanische Fachgesellschaft der Hautärzte, rät zu einer Spülung nach jedem Shampoo. Zwei weitere Gewohnheiten nach dem Waschen fördern Frizz: das Haar mit dem Handtuch rubbeln und es im nassen Zustand bürsten. Beides lässt sich leicht ändern.
Lufttrocknen oder föhnen: Was ist besser bei Frizz?
Viele lassen ihr Haar an der Luft trocknen, um Hitze zu vermeiden. Lufttrocknen ist aber nicht automatisch schonender. Eine Laborstudie von 2011 hat beides verglichen. Haar, das mit einem Föhn in 15 cm Abstand und in ständiger Bewegung getrocknet wurde, zeigte insgesamt weniger Schäden als Haar, das an der Luft trocknete und dadurch länger nass blieb. Der Föhn hinterliess allerdings einige Spuren auf der Haaroberfläche, umso mehr, je näher und heisser er gehalten wurde (Lee und Kollegen, Annals of Dermatology).
Ein Föhn ist also in Ordnung, wenn du ihn sorgfältig benutzt. Wickle dein Haar zuerst in ein Handtuch, damit das meiste Wasser herauskommt. Nimm eine mittlere Stufe, bewege den Föhn ständig und richte die Düse am Haar entlang nach unten, vom Ansatz zu den Spitzen. Locken trocknest du mit einem Diffusor, oder du lässt sie trocknen, ohne sie zu berühren. Die Haarpflegetipps der AAD raten zu niedriger oder mittlerer Hitze und zu einem Hitzeschutz, bevor du föhnst oder glättest.
Hilft Haaröl gegen Frizz?
Ja. Haaröle und Seren legen eine dünne Schicht über die Haaroberfläche. Sie macht die Oberfläche glatter und bremst, wie schnell das Haar Wasser aufnimmt. Die Übersichtsarbeit im International Journal of Trichology beschreibt, wie Pflegeprodukte Reibung und Frizz verringern und wie manche Öle die Wassermenge senken, die das Haar aufnimmt. Die AAD nennt verknotetes, frizziges oder abstehendes Haar als Gründe für einen Leave-in-Conditioner, aufgetragen auf handtuchtrockenes, noch feuchtes Haar und nicht auf die Kopfhaut. Schäden im Inneren des Haars kann ein solches Produkt nicht rückgängig machen. Ausserdem wäscht es sich aus, du musst es also nach jeder Haarwäsche neu auftragen.
Nimm wenig. Zu viel lässt das Haar fettig und platt aussehen, und feines Haar braucht am wenigsten. Arbeite es in die Längen und Spitzen ein, den ältesten und rauesten Teil deines Haars. Öle und Seren wirken etwas unterschiedlich. Wenn du zwischen beiden schwankst, lies Haaröl oder Serum: was besser gegen Frizz hilft. Ellips Hair Vitamin ist eine Möglichkeit: ein Öl ohne Ausspülen in Einzelkapseln zu 1 ml, mit Silikonen, die die Haaroberfläche glätten. Eine Kapsel reicht für eine Anwendung, bei sehr feinem Haar eine halbe Kapsel für die Spitzen.
Was hilft gegen Frizz-Haare? Die Routine in 7 Schritten
Ganz abstellen lässt sich Frizz nicht, aber die meisten Tipps gegen Frizz laufen auf dieselben paar Gewohnheiten hinaus. Der Reihe nach:
- Die Kopfhaut waschen, nicht die Längen. Massier das Shampoo in die Kopfhaut ein und lass den Schaum beim Ausspülen durch den Rest laufen, wie es die AAD empfiehlt.
- Jedes Mal eine Spülung verwenden. In den Längen und Spitzen oder, bei trockenem oder lockigem Haar, auf der ganzen Länge. Entwirre Locken mit einem grobzinkigen Kamm, solange die Spülung noch drin ist.
- Mit lauwarmem Wasser ausspülen. Eine kalte Schlussspülung schadet nicht, aber verlass dich nicht darauf, dass sie das Haar glättet. Das ist die Aufgabe der Spülung.
- Tupfen statt rubbeln. Wickle dein Haar in ein Handtuch oder ein altes Baumwoll-T-Shirt und drück das Wasser heraus.
- Ein Leave-in ins feuchte Haar geben. Etwas Öl, Serum oder Leave-in-Conditioner in die Längen und Spitzen, nicht an den Ansatz.
- Sorgfältig trocknen. Mittlere Stufe, Föhn in Bewegung, Düse nach unten. Oder Locken trocknen lassen, ohne sie zu berühren.
- Finger weg. Gegen abstehende Härchen im Lauf des Tages verreibst du einen Tropfen Öl zwischen den Handflächen und streichst ihn leicht über die Oberfläche.
Nachts sorgen ein lockerer Zopf oder ein glatter Kissenbezug aus Seide oder Satin für weniger Reibung. Ein regelmässiger Schnitt beim Coiffeur entfernt die rauesten Spitzen, die am meisten frizzen.
Wenn du eine Formel suchst, die für Frizz gemacht ist: Unsere Leave-in-Haaröl-Kapseln gibt es auch als Smooth & Silky, die Formel für sehr trockenes, frizziges, normales bis kräftiges Haar. Sie macht das Haar glatter, mit weniger Frizz und weniger abstehenden Härchen, und schützt es bis 220 °C vor Hitze, wenn du sie vor dem Styling aufträgst.
Häufige Fragen
Warum sind meine Haare oben so frizzig?
Die oberste Haarschicht bekommt am meisten Sonne, Wind und Reibung von Mützen, Kissen und Händen ab, deshalb ist ihre Oberfläche meist am rauesten. Kurze Haare, neue wie abgebrochene, fallen oben ebenfalls am meisten auf, weil sie zu kurz sind, um flach bei den anderen zu liegen. Man spricht dann oft von Halo-Frizz. Streich mit flachen Händen einen Tropfen Öl leicht über den Oberkopf und nimm für diese Partie weniger Hitze.
Warum sind meine Haare plötzlich frizzig?
Such nach dem, was sich verändert hat. Die üblichen Gründe sind das Wetter, ein neues Shampoo, eine frische Farbe oder Blondierung, mehr Hitzestyling oder ein Umzug an einen Ort mit kalkhaltigerem Wasser. Eine feuchte Wetterphase drückt Wasser ins Haar, und trockene Heizungsluft bringt im Winter statische Aufladung. Wenn die Veränderung zusammen mit Haarverlust, einer wunden oder schuppenden Kopfhaut oder anderen Beschwerden auftritt, lass das ärztlich oder dermatologisch abklären.
Spliss oder Frizz: Was ist der Unterschied?
Spliss sitzt an der Spitze: Dort hat sich ein Haar gespalten, oft zu einem Y. Frizz betrifft die ganze Oberfläche, die dann flaumig aussieht. Abstehende Härchen sind einzelne Haare, die aus einer sonst glatten Oberfläche herausstehen. Manche sind kurze, neue Haare, manche sind statisch aufgeladen, andere abgebrochen, und diese deuten auf Abnutzung durch Hitze, Blondieren oder Bürsten hin. Ein Tropfen Öl lässt alles glatter aussehen, aber nur Schneiden entfernt Spliss. Stehen mit der Zeit weniger abgebrochene Haare ab, wirkt deine Routine.
Kann man Frizz dauerhaft loswerden?
Kein Produkt entfernt Frizz für immer. Jede Haarwäsche nimmt weg, was du aufgetragen hast, und jeder feuchte Tag drückt wieder Wasser ins Haar. Ändern kannst du, wie rau die Haaroberfläche ist. Sanftes Waschen, Spülung, ein Leave-in im feuchten Haar, weniger Hitze und regelmässige Schnitte sorgen dafür, dass das Haar weniger frizzt. Sobald die rauesten Spitzen abgeschnitten sind, ist weniger von deinem Haar strapaziert.