A woman by a window in winter daylight looks closely at the dry, frizzy ends of her long light-brown hair

Trockene Haare: Ursachen und was hilft, wenn sie sich wie Stroh anfühlen

Trockene Haare haben die dünne, natürliche Fettschicht auf ihrer Oberfläche verloren. Deshalb fühlen sie sich rau an, sehen stumpf aus und verknoten sich leicht. Meist steckt die tägliche Abnutzung dahinter, etwa häufiges Waschen, Hitze, Blondieren, Sonne und trockene Winterluft. Was hilft, sind sanftere Gewohnheiten, mit denen sich das Haar wieder weicher anfühlt. Wenn deine Haare plötzlich trocken werden und du noch andere Beschwerden hast, geh zum Arzt.

Warum sind meine Haare so trocken? Die Ursachen

MedlinePlus, das medizinische Nachschlagewerk der US National Library of Medicine, beschreibt trockenes Haar als Haar, dem Feuchtigkeit und Fett fehlen, um seinen normalen Glanz und seine normale Beschaffenheit zu behalten. Bei unbeschädigtem Haar bedeckt eine dünne Fettschicht die Oberfläche und weist Wasser ab. Eine Übersichtsarbeit im International Journal of Trichology (Gavazzoni Dias, 2015) zählt auf, was diese Schicht abträgt: grobes Waschen, Trocknen ohne Schutz, Reibung, Sonnenlicht und chemische Behandlungen wie Färben. Ohne sie fühlt sich das Haar rau an, verknotet sich und verliert seinen Glanz. Haar lebt nicht, deshalb kann es diese Schicht nicht selbst neu bilden.

Die häufigsten Ursachen für trockene Haare:

  • Zu häufiges Waschen oder ein aggressives Shampoo.
  • Hitze von Föhn, Glätteisen und Lockenstab.
  • Blondieren, Färben und Dauerwellen, die die Haaroberfläche dauerhaft verändern.
  • Sonne, Chlor- und Meerwasser. Die American Academy of Dermatology (AAD), die amerikanische Fachgesellschaft der Hautärzte, weist darauf hin, dass UV-Licht die Proteine im Haar abbaut und seine Farbe verändert.
  • Reibung durch Handtücher, Bürsten, Kissen und Schals.
  • Trockene Luft, durch das Klima oder die Heizung.

Am trockensten sind meist die Spitzen. Sie sind der älteste Teil deines Haars, und bei langem oder lockigem Haar kommt das natürliche Fett der Kopfhaut kaum bis dorthin. Trockenes Haar wird ausserdem leicht frizzig, weil eine raue Oberfläche Wasser ungleichmässig aufnimmt. Hier liest du, woher Frizz-Haare kommen.

Warum fühlen sich meine Haare wie Stroh an?

Haar, das sich wie Stroh anfühlt, ist meist mehr als trocken. Es ist brüchig: Die äussere Schicht ist so abgenutzt, dass das Haar beim Kämmen abbricht und die Spitzen splissen. Trockenes, brüchiges Haar kommt am häufigsten nach dem Blondieren, nach wiederholtem Färben oder nach Jahren mit dem Glätteisen vor.

Sei realistisch, was Pflege leisten kann. Der Schaden im Inneren des Haars bleibt, und ein gespaltenes Haar lässt sich nicht wieder zusammenkleben: Nur Schneiden entfernt Spliss. Ändern kannst du, wie sich dein Haar anfühlt und wie oft es ab jetzt bricht. Verwende jedes Mal eine Spülung, gib ein Leave-in in die Längen, dreh die Hitze herunter, kämme sanft von den Spitzen nach oben und lass die schlimmsten Spitzen abschneiden. Wenn du färbst oder blondierst, empfiehlt die AAD, die Abstände zwischen zwei Färbungen zu verlängern, auf 8 bis 10 Wochen. Unser Ratgeber zu Spliss und wie du ihn vermeidest geht genauer auf die Spitzen ein.

Macht kalkhaltiges Wasser die Haare trocken?

Kalkhaltiges, also hartes Wasser enthält mehr Calcium und Magnesium. Kalk am Wasserkocher und am Duschkopf ist ein Zeichen dafür, und deine Gemeinde oder die örtliche Wasserversorgung kann dir sagen, wie hart dein Wasser ist. Viele machen es für trockenes Haar verantwortlich, doch es gibt dazu nur wenige Studien, und ihre Ergebnisse sind uneinheitlich:

  • Eine Studie von 2013 legte Haare von 15 Freiwilligen 30 Tage lang jeden zweiten Tag für 10 Minuten in hartes oder destilliertes Wasser. Sie fand keinen Unterschied bei Reissfestigkeit oder Dehnbarkeit (Srinivasan und Kollegen, International Journal of Trichology).
  • Eine Mikroskopstudie desselben Teams von 2016 fand bei Haar, das mit hartem Wasser behandelt worden war, mehr Mineralien und eine rauere, «aufgeraute» Oberfläche (International Journal of Dermatology).
  • Eine Studie von 2017 mit 20 Freiwilligen fand nach 3 Wochen mit hartem Wasser mehr Magnesium am Haar, unter dem Mikroskop aber keine klaren Schäden an der Oberfläche (Alahmmed und Kollegen, Indian Journal of Dermatology, Venereology and Leprology).

Kalkhaltiges Wasser hinterlässt also Mineralien am Haar, wodurch es sich belegt und rau anfühlen kann. Nach heutigem Wissensstand ist es aber kaum der Hauptgrund für trockene Haare. Am meisten hilft eine Spülung nach jeder Haarwäsche. Wenn sich dein Haar belegt anfühlt, entfernt ein Tiefenreinigungsshampoo ab und zu die Rückstände. Es ist aggressiver als ein normales Shampoo, verwende es also selten und immer mit einer Spülung danach.

Warum sind die Haare im Winter trockener?

Kalte Aussenluft enthält wenig Wasser, und die Heizung trocknet die Raumluft zusätzlich aus. An trockene Luft gibt das Haar Wasser ab. Zahlen aus einem Lehrbuch, erklärt von der Chemikerin Michelle Wong, zeigen: Bei 30 % Luftfeuchtigkeit hält Haar weniger als halb so viel Wasser wie bei 70 %. Sie weist auch darauf hin, dass sehr trockene Luft statische Aufladung fördert, sodass die Haare abstehen. Was im Winter hilft:

  • Stell einen Luftbefeuchter ins Schlafzimmer. Die AAD empfiehlt ihn bei trockener Haut, und er sorgt auch dafür, dass die Luft um dein Haar weniger trocken ist.
  • Trockne dein Haar, bevor du hinausgehst. Nasses Haar ist empfindlicher und dehnt sich leichter als trockenes.
  • Trag langes Haar in einem lockeren Zopf oder unter dem Mantel, damit Kragen und Schals weniger daran reiben.
  • Glätte statisch abstehende Härchen mit einem Tropfen Öl, den du zwischen den Handflächen verreibst.

Trockene Kopfhaut oder trockene Haare?

Das sind zwei verschiedene Probleme. Bei trockenen Haaren geht es um die Längen. Schuppen und eine juckende Kopfhaut betreffen die Haut. Oft sind es gewöhnliche Kopfschuppen, die der britische Gesundheitsdienst NHS als häufige und harmlose Hauterscheinung beschreibt. Der NHS empfiehlt ein Anti-Schuppen-Shampoo mit Ketoconazol, Steinkohlenteer oder Salicylsäure für bis zu 4 Wochen und einen Besuch in der Hausarztpraxis, wenn es nicht besser wird. Öl in den Längen bewirkt an der Kopfhaut nichts. Die AAD rät, Produkte ohne Ausspülen von der Kopfhaut fernzuhalten, weil sie sich dort ablagern können.

Wann solltest du mit trockenen Haaren zum Arzt?

Meistens kommen trockene Haare davon, wie das Haar behandelt wird. MedlinePlus nennt aber auch medizinische Ursachen, darunter eine Unterfunktion der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüse, andere Hormonstörungen, Mangelernährung und Essstörungen. Der NHS zählt trockene Haut, trockene Haare oder Haarausfall zu den Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion, zusammen mit Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit und Gewichtszunahme. Geh zum Arzt, wenn deine Haare trotz sanfter Pflege trocken bleiben, wenn sie abbrechen oder ausfallen oder wenn du andere unerklärliche Beschwerden hast. Kein Haaröl ändert etwas daran, wie viele Haare dir ausfallen.

Trockene Haare: Was hilft?

Für die meisten ist die Antwort eine sanftere Routine, nicht mehr Produkte:

  1. Seltener waschen. MedlinePlus empfiehlt bei trockenem Haar ein- bis zweimal pro Woche. Die Haarpflegetipps der AAD sagen, dass trockenes, lockiges oder kräftiges Haar bei Bedarf gewaschen werden kann, mindestens aber alle 2 bis 3 Wochen.
  2. Nur die Kopfhaut shampoonieren. Wähl ein mildes Shampoo (MedlinePlus nennt sulfatfreie) und lass den Schaum durch die Längen laufen.
  3. Warmes statt heisses Wasser. Die AAD empfiehlt bei trockener Haut warmes Wasser, und deine Kopfhaut ist Haut.
  4. Jedes Mal eine Spülung verwenden, bei trockenem Haar auf der ganzen Länge.
  5. Tupfen, dann sanft kämmen. Wickle dein Haar in ein Handtuch oder ein Baumwoll-T-Shirt und nimm danach einen grobzinkigen Kamm.
  6. Ein Leave-in ins feuchte Haar geben, nur in Längen und Spitzen. Die AAD empfiehlt Leave-in-Conditioner für trockenes, brüchiges, lockiges und gefärbtes Haar.
  7. Die Hitze herunterdrehen. Nimm eine niedrige oder mittlere Stufe und trag vor dem Föhnen oder Glätten einen Hitzeschutz auf.
  8. Draussen schützen. Trag in der Mittagssonne einen Hut. Vor dem Schwimmen im Schwimmbad rät die AAD zu Öl oder einem Leave-in im Haar und zum Ausspülen direkt danach.
  9. Die trockensten Spitzen regelmässig schneiden lassen.

Hilft Haaröl bei trockenen Haaren?

Es hilft bei dem, was du sehen und fühlen kannst. Ein Öl ohne Ausspülen legt wieder eine dünne Schicht auf die Haaroberfläche, sodass sich das Haar glatter und weicher anfühlt, glänzender aussieht und leichter kämmen lässt. Die Übersichtsarbeit im International Journal of Trichology beschreibt, wie Öle Glanz geben und Reibung verringern und wie manche, etwa Kokosöl, ein kleines Stück ins Haar eindringen können. Was Öl nicht kann: rückgängig machen, was Blondierung oder Hitze im Inneren des Haars verändert haben. Ausserdem wäscht es sich aus, du musst es also nach jeder Haarwäsche neu auftragen.

Nimm eine kleine Menge für feuchtes, handtuchtrockenes Haar. Beginne bei den trockenen Spitzen, die es am meisten brauchen, streich den Rest von den Händen durch die Längen und halte es vom Ansatz fern. Wenn du ein Leave-in für trockene Haare suchst: Ellips Hair Vitamin ist ein Öl ohne Ausspülen in Einzelkapseln zu 1 ml. Seine Silikone glätten das Haar und schützen es bis 220 °C vor Hitze, wenn du es vor dem Styling aufträgst. Von den 4 Formeln ist Hair Treatment mit Argan- und Jojobaöl für feines bis normales Haar gemacht und hilft, Spliss und Haarbruch vorzubeugen. Smooth & Silky ist für sehr trockenes, frizziges, normales bis kräftiges Haar. Bei sehr feinem Haar reicht eine halbe Kapsel für die Spitzen.

Häufige Fragen

Warum sind meine Haare nach dem Waschen so trocken?

Meist liegt es am Shampoo, am Wasser oder am Trocknen. Ein aggressives Shampoo kann mehr Fett entfernen, als deine Längen hergeben können, sehr heisses Wasser kommt noch dazu, und Rubbeln mit dem Handtuch raut die Oberfläche auf. Shampooniere nur die Kopfhaut, spül mit warmem Wasser, verwende jedes Mal eine Spülung und tupfe, statt zu rubbeln. Wenn dein Wasser kalkhaltig ist und sich dein Haar belegt anfühlt, kann ab und zu eine Tiefenreinigung helfen.

Warum sind meine Haare plötzlich so trocken?

Überleg, was sich verändert hat: ein neues Shampoo, eine Farbe oder Blondierung, mehr Hitzestyling, Ferien mit Sonne, Meer oder Chlorwasser oder der Beginn der Heizsaison. Wenn sich nichts verändert hat oder die Trockenheit mit Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme oder Haarverlust einhergeht, geh zum Arzt. Der NHS zählt trockene Haare zu den Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion.

Kann man strohige Haare retten?

Nicht ganz. Haar, das sich wie Stroh anfühlt, ist meist im Inneren geschädigt, oft durch Blondierung oder Hitze, und dieser Schaden bleibt. Du kannst aber dafür sorgen, dass es sich weicher anfühlt, glatter aussieht und weniger bricht: jedes Mal eine Spülung, ein Leave-in in die feuchten Längen, weniger Hitze und sanftes Kämmen. Lass die trockensten Spitzen abschneiden, denn sie fühlen sich am meisten nach Stroh an.

Haaröl ins nasse oder ins trockene Haar?

Für die Hauptanwendung ist feuchtes Haar am besten. Trockne dein Haar nach dem Waschen mit dem Handtuch vor, arbeite eine kleine Menge Öl in die Längen und Spitzen ein und trockne und style es dann wie gewohnt. Die AAD rät bei Leave-in-Produkten dasselbe: handtuchtrockenes, noch feuchtes Haar. Ins trockene Haar kommt nur ein Tropfen, zwischen den Handflächen verrieben, um tagsüber abstehende Härchen oder raue Spitzen zu glätten.

Zurück zum Blog